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Verständlich und liebevoll
Andere teilhaben lassen an der gelebten Beziehung zu Gott

“ICH WILL NICHT NUR IM GEIST BETEN,
SONDERN AUCH MIT DEM VERSTAND.”
 1. KORINTHER 14, 19

In 1. Korinther 14 geht es um den Gottesdienst der Gemeinde in der Hafenstadt  Korinth.  Der Apostel Paulus nimmt auf Anfrage dazu Stellung. Er war Gründer dieser griechischen Gemeinde. Fast zwei Jahre lebte er dort, um zu lehren, aufzubauen und Mitarbeiter zu schulen. Nach seinem Weggehen stand er in ständigem Kontakt mit der Gemeinde.
Zwei seiner Briefe an diese Gemeinde sind im Neuen Testament erhalten und geben ein eindrückliches Bild über das Gemeindeleben, über Fragen, Richtungskämpfe, theologische Grundsatzfragen, zum Beispiel die Auferstehung. Paulus musste klären, schlichten, Grenzen setzen, um möglicherweise Chaos zu vermeiden. Denn chaotisch drohte es - wie Paulus meinte - in den Gottesdiensten zu werden.

Er spricht sogar davon, dass neue Gottesdienstbesucher den Eindruck haben müssten, unter Verrückten zu sein (Vers 23). Was war los? Es wurde gleichzeitig gepredigt, gesungen, gebetet und von einigen „im Geist" gebetet und gesungen. Was ist das? Beten „im Geist", „in Zungen", „in Sprachen"?
Es gab in der Gemeinde Menschen, die in der Form der ekstatischen Rede, in für andere nicht verständlicher Sprache, nur in ihrem Geist mit Gott kommunizierten. Der Verstand war dabei nicht tätig.

GOTTES GEIST VERSTEHBAR

Paulus sagt es so:
„Bei einem solchen Beten spricht Gottes Geist mit mir. Es ist keine Sache meines Verstandes." Paulus besaß diese Fähigkeit selbst in reichem Maß, er wertet sie als Gabe Gottes, als Geistesgabe. Diese ganz besondere Art des Gespräches mit Gott nennt er Geheimnis. Deutlich stellt er heraus, dass es der Selbsterbauung dient und in der Gemeindeversammlung keinen Platz hat, wenn nicht in der Gemeinde jemand die Gabe des Auslegens habe. Denn, so meint er, die Gemeinde werde nicht gefördert, nicht in das Bitten, Loben, Danken einbezogen, nicht innerlich bewegt, nicht erbaut (Vers 17).
Und für sich folgert er, in der Gemeinde wolle er lieber fünf Worte mit dem Verstand reden - das heißt lieber fünf verständliche Worte - als 10.000 Worte in einer Sprache, die niemand versteht.

Vorrang hat also das verständliche Wort. Es geht um Verständlichmachen, um Anregen zum Mitdenken.
Jesus hat seine Botschaft auch durch verständliche Worte weitergegeben, er hat durch seine Worte und Beispielgeschichten Menschen zum Mitdenken eingeladen.
Paulus wünscht der Gemeinde in Korinth für ihre Gottesdienste, dass Gott ihnen zu allererst seine Botschaft selbst klar mache, damit sie treffend weitergegeben werden kann. Das Singen, Danken, Loben, Beten solle geordnet und in verständlicher Sprache erfolgen.
Und so hat das „Beten mit dem Verstand" letztlich damit zu tun, den anderen mitzunehmen, ihn teilhaben zu lassen an gelebter Beziehung zu Gott.

GOTTES LIEBE GREIFBAR

Was steht eigentlich dahinter, wenn dem Anderen Gelegenheit gegeben wird, Gott kennen zu lernen?
Ist es nicht die Liebe, die Jesus als Kennzeichen seiner Jünger bezeichnet?
Und Paulus beginnt auch das 14. Kapitel bezeichnenderweise mit dem Satz: „Die Liebe soll euer höchstes Ziel sein." Sollte dies nicht auch für mich ein Schlüssel zum Verstehen des Monatsspruches sein?
Unsere Gottesdienst- und Gebetspraxis ist eine andere, wir beten nicht „im Geist" oder „in Sprachen".
Aber denken wir daran, dass in unseren Gruppen Menschen wohl zum ersten Mal ein persönliches, frei formuliertes Gebet hören? Sprechen wir doch in einfacher verständlicher Sprache und angemessener Länge. Lassen wir den Anderen liebevoll teilnehmen.
Das gilt ebenso für das Reden über unsere Gottesbeziehung. Versteht der Andere, was ich sage?

Die Liebe Gottes anderen Menschen verstehbar, greifbar, spürbar werden zu lassen in Wort und Tat - von diesem Angebot lebt das Blaue Kreuz.

Ruth Eifler

Originalbeitrag für „Blaues Kreuz - Monatszeitschrift des Blauen Kreuzes in Deutschland e. V., Ausgabe 05/2008, Seite 9

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Weitere Beiträge der Autorin siehe unter “Archiv”

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